Das Forschungskolleg Gesellschaft und Kontingenz bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, sich dem Projekt als Kollegiat/in anzuschließen. Voraussetzung für eine Bewerbung ist ein geplantes oder laufendes Dissertationsprojekt mit Bezug zum Themencluster sowie die Bereitschaft zum interdisziplinären Diskurs. Die Kollegiaten/innen sollen die Möglichkeit nutzen, die Entwicklung des Projekts durch eigene Ideen mit voranzutreiben und den Diskurs thematisch zu strukturieren. Interessierte bewerben sich per E-Mail an stephanfruehwirt@gesellschaftundkontingenz.de.
Das nächste offene Kolloquium findet am 11. Februar 2011 um 13 Uhr statt. Es besteht die Möglichkeit einer Teilnahme über eine Skype-Konferenz (Kontakt: Gesellschaft.und.Kontingenz.)
Aber Rationalität könnte, wenn man den alten Weltbezug des Begriffs festhalten und die neuzeitlichen Derangierungen nicht mehr mitmachen will, wohl nur wiedergewonnen werden, wenn man jene Gewohnheiten mit einem autologischen Schluß abrundet, sie also auch auf den anwendet, der sie praktiziert, und sie damit universell setzt. Dann ginge es darum, zu verstehen, daß man nicht versteht, was man nicht versteht, und Semantiken auszuprobieren, die damit zurechtkommen. (S.90)
In den kommenden Sitzungen werden wir uns mit dem Buch Beobachtungen der Moderne auseinandersetzen. Der Sammelband reiht sich ein in jene Liste von Luhmanns zahlreichen Veröffentlichungen, deren Titel doppelt gelesen werden müssen. Einerseits bezieht er sich auf das Thema der enthaltenen Texte: die moderne Gesellschaft mit ihrer Zentraleigenschaft der funktionalen Differenzierung. Andererseits bedeutet er, dass die enthaltenen Beschreibungen als Kommunikationen Teil der Gesellschaft und somit Beobachtungen einer Moderne sind, die sich durch diese Texte selbst beschreibt. Dieser Sachverhalt führte die traditionelle erkenntnistheoretische Diskussion in Paradoxieprobleme, die sie – beaufsichtigt von der strengen Autorität der zweiwertigen Logik – unbedingt vermeiden musste. Lieber opferte sie im Tempel der Wahrheit und der Rationalität leichtfertig ihre Ansprüche an die Universalität der eigenen Theorie und floh vor sich selbst in den Glauben an ein transzendentales Subjekt, den Weltgeist oder die Lebenswelt. Niklas Luhmann ist frohen Mutes, dass die Moderne diese Furcht vor ihrem eigenen Schatten nun überwinden kann. In Beobachtungen der Moderne ruft er ihr zu, sie solle sich selbstbewusst dem Schrecken in ihrem Nacken stellen: Animum aude!
Aktuell
Das Forschungskolleg Gesellschaft und Kontingenz bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, sich dem Projekt als Kollegiat/in anzuschließen. Voraussetzung für eine Bewerbung ist ein geplantes oder laufendes Dissertationsprojekt mit Bezug zum Themencluster sowie die Bereitschaft zum interdisziplinären Diskurs. Die Kollegiaten/innen sollen die Möglichkeit nutzen, die Entwicklung des Projekts durch eigene Ideen mit voranzutreiben und den Diskurs thematisch zu strukturieren. Interessierte bewerben sich per E-Mail an stephanfruehwirt@gesellschaftundkontingenz.de.
Das nächste offene Kolloquium findet am 11. Februar 2011 um 13 Uhr statt. Es besteht die Möglichkeit einer Teilnahme über eine Skype-Konferenz (Kontakt: Gesellschaft.und.Kontingenz.)
Luhmann, Niklas: Europäische Rationalität. In: Beobachtungen der Moderne. Opladen: Westdeutscher Verlag 1992. S.51-91.
In den kommenden Sitzungen werden wir uns mit dem Buch Beobachtungen der Moderne auseinandersetzen. Der Sammelband reiht sich ein in jene Liste von Luhmanns zahlreichen Veröffentlichungen, deren Titel doppelt gelesen werden müssen. Einerseits bezieht er sich auf das Thema der enthaltenen Texte: die moderne Gesellschaft mit ihrer Zentraleigenschaft der funktionalen Differenzierung. Andererseits bedeutet er, dass die enthaltenen Beschreibungen als Kommunikationen Teil der Gesellschaft und somit Beobachtungen einer Moderne sind, die sich durch diese Texte selbst beschreibt. Dieser Sachverhalt führte die traditionelle erkenntnistheoretische Diskussion in Paradoxieprobleme, die sie – beaufsichtigt von der strengen Autorität der zweiwertigen Logik – unbedingt vermeiden musste. Lieber opferte sie im Tempel der Wahrheit und der Rationalität leichtfertig ihre Ansprüche an die Universalität der eigenen Theorie und floh vor sich selbst in den Glauben an ein transzendentales Subjekt, den Weltgeist oder die Lebenswelt. Niklas Luhmann ist frohen Mutes, dass die Moderne diese Furcht vor ihrem eigenen Schatten nun überwinden kann. In Beobachtungen der Moderne ruft er ihr zu, sie solle sich selbstbewusst dem Schrecken in ihrem Nacken stellen: Animum aude!